Vorträge des VOHM

Veranstaltungsort: Märkisches Museum, Witten, Husemannstraße 12

19.00 Uhr

02.11.2017

Prof. Dr. Günter Brakelmann: Das Reformationsjubiläum 1933 – Luther und seine Deutschen

Prof. Brakelmann, Theologe und Historiker mit dem Forschungsschwerpunkt „Kirche und Soziale Frage“ wird die Ereignisse um das Reformationsjubiläum 1933 anhand seines umfangreichen Quellenmaterials rekonstruieren und darstellen. In kirchlichen Zeitschriften und Broschüren war das große Thema des Jahres 1933: „Hitler und Luther“.

Luther stand für die Reformation gegen die Machtansprüche des römischen Katholizismus. Hitler stand mit seiner „nationalen Revolution“ gegen jeden Internationalismus und für einen starken autoritären Nationalstaat gegen den demokratischen Staat.

Hitler hat weit über die NSDAP hinaus Anhänger für seine antiaufklärerischen, antiliberalen und antidemokratischen Ideologie und Politik gefunden. Besonders in kirchlichen Kreisen und im Milieuprotestantismus, der damals die Mehrheit der Deutschen umfasste, war die Zustimmung zu ihm weit verbreitet.

im September hielt Prof. Dr. Werner Freitag den Vortrag:

„Die Reformation in Westfalen: regionale Vielfalt, Bekenntniskonflikt und Koexistenz“. 

Westfalens Landkarte des 16. Jahrhunderts zeigt sich als Flickenteppich. In kleineren und größeren Territorien, aber nur in einer Reichsstadt (Dortmund), in kleineren und größeren Adelsherrschaften ging es darum, die Reformation einzuführen bzw. zu verhindern.

Werner Freitag, Landeshistoriker an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, unternimmt es in seinem Vortrag, die verschiedenen Verläufe der Reformation darzustellen und typologisch zu bündeln. Es gab städtische, landesherrliche, bischöfliche, sodann auf das Territorium bezogene ständische sowie „Adels- und Pfarrerreformationen“.

Der Blick des Vortrags richtet sich nicht nur auf die zentralen Ereignisse und Verlaufsformen der Reformation, sondern es wird auch der Alltag in den Pfarreien um 1550 untersucht: Wurden das neue Bekenntnis (in Westfalen war es das Martin Luthers) und die neue Liturgie (Luthers Deutsche Messe) tatsächlich eingeführt? Kam es zu einer von der Papst- und Bischofskirche klar geschiedenen neuen Kirchenorganisation? Erstaunliches kommt zutage: der unvollkommene Verwaltungsaufbau, die Existenz liturgischer Mischformen, die Kontinuität der Pfründen, aber auch das „Einsickern“ der neuen Lieder in formal katholisch gebliebenen Regionen Westfalens, wie etwa im Münsterland.

Prof. Dr. theol. Michael Basse: Die Reformation in Bochum und in der Grafschaft Mark 07.12.2017