Vorträge des VOHM

 


Veranstaltungsort: Märkisches Museum, Witten, Husemannstraße 12

19.00 Uhr

Vortragstermine:

05.07. :

Irene Rumpler, M.A.:

„1895 – Kirchenstreit in Witten – Eine Auseinandersetzung mit Folgen“

Die Hintergründe des Konfliktes, der 1895/96 monatelang die Presse beschäftigte, untersuchte die Historikerin I. Rumpler. Sie ist Mitglied im Vorstand des Vereins für Orts- und Heimatkunde in Witten (VOHM). Der Verein hatte 2017 bisher unbekannte Dokumente übernehmen können, die mit dem „Kirchenstreit“ im Zusammenhang stehen. Nun sind die Dokumente ausgewertet. Sie ergänzen die Ereignisse in der Stadt Witten kurz vor der Wende zum 20. Jahrhundert.

Superintendent Friedrich König (1835-1914) beklagte im Jahre 1893. „Mit dem Frieden in der Gemeinde wäre es aus […], eine Verletzung der kirchlichen Ordnung, eine Nichtachtung des Presbyteriums und der Pfarrer.“ König hatte die Gemeinde in der Zeit der Industrialisierung und des starken Bevölkerungswachstums ausgebaut, drei neue Pfarrstellen eingerichtet und den Grundstein für die Gedächtniskirche gelegt (1945 zerstört). Alles schien auf einem guten Weg. Nur das neue Pastoren-Kollegium wuchs nicht wirklich zusammen. Zu groß waren die Differenzen in der rasch wachsenden Industriegemeinde.

Mittendrin in dem Konflikt standen Gemeindemitglieder, die sich entscheiden mussten, auf welcher Seite sie standen. Eineinhalb Jahre lang spitzte sich der Konflikt zu. Die Fronten verhärteten sich. Behördliche Hilfe wurde eingeschaltet. Am Ende stand ein Neuanfang, die Gründung der Wittener Kreuzkirchen-Gemeinde.

Johanniskirche um 1900


bisherige Vorträge:

07.06.: Prof. Dr. Jürgen Kloosterhuis (Berlin): „Grafen, Junker, Masseleyr. Haus und Hof der Grafen von der Mark zwischen Reiseherrschaft und Residenzenbildung, ca. 1288 – 1398

Das Thema weckt manche malerische Vorstellungen, die sich um Hofdamen und Ritter, Turniergetümmel und Minnesang ranken – romantische Bilder, die aber angesichts einer spärlichen Quellenlage im südwestfälischen Raum des Spätmittelalters nur schwer nachgehalten werden können. Im Vortrag wird daher versucht werden, vor allem anhand von Archivalien, also von Urkunden, Aktenstücken, Rechnungen und Chroniken, die gesicherten Informationen zusammenzutragen, die wir von den Personen in der engsten Umgebung (den „Masseleyr“) der Grafen von der Mark von ca. 1290 bis 1390 besitzen. Betrachtet werden weiter Burgen und Grablegen als festliche Versammlungsräume, das Niveau des „Kanzleigebrauchs“, die Ansätze zur Ausbildung einer „corporate identity“ sowie der ideologischen Überhöhung der märkischen Landesherrschaft. Insgesamt bewegte sie sich im genannten Zeitraum zwischen „Reiseherrschaft“ und „Residenzenbildung“. Gegen Ende des 14. Jahrhunderts schien sich Wetter allmählich als weltlicher Vorort des sich langsam verdichtenden Territoriums abzuzeichnen – doch wurde diese Entwicklung durch den Tod des Grafen Engelbert III. von der Mark 1391 jäh abgebrochen. 

03.05.: Prof. Dr. Ralf Peter Fuchs: „Die Grafschaft Mark – ein Territorium und seine verschiedenen Wege der Reformation“

Die kirchenreformatorischen Entwicklungen des 16. Jahrhunderts nahmen in großen Teilen des Niederrheins und Westfalens einen besonderen Verlauf. Die Landesherren der Grafschaft Mark verstanden zu dieser Zeit etwas anderes unter „Reformation“ als die Kirchengeschichtsschreiber späterer Jahrhunderte, die diesen Begriff für die Protestanten vereinnahmten. Sie versuchten, Reformen im Sinne des Humanisten Erasmus von Rotterdam anzustoßen, ohne der Papstkirche den Rücken zu kehren. Dabei gestanden sie ihren Untertanen beachtliche Freiheiten bei der Gestaltung des lokalen Kirchenwesens zu. Der Vortrag geht auf die Folgen dieser Reformpolitik ein und stellt neuere geschichtswissenschaftliche Konzepte der Reformation vor.


01.03.: Prof. Dr. Fritz Rüdiger Volz: „Luther, das Geld und der Wucher“

Luthers Veröffentlichung von 1524: „Von Kauffshandlung und Wucher“ wird gerne zur Stärkung einer herrschaftskritischen Wirtschaftsethik herangezogen. Es reichen oftmals schon die Stichworte des Titels, denn Luther polemisiert kräftig gegen Wucher und Großkaufleute wie Jakob Fugger. Verkürzt gilt dann: Wucher = Kapitalismus und Fugger = Prototyp des homo oeconomicus.

Sieht man sich den Text genauer an, haben dieser Art Vereinfachungen keinen Bestand. Wohl aber kann man – wenngleich mit etwas Mühe – ein angemesseneres Verständnis der Voraussetzungshaftigkeit und der Komplexität der lutherischen Thesen und Argumente gewinnen. Diese Einsichten können dann auch helfen, Schwierigkeiten, Aufgaben und Elemente einer evangelischen – „theologischen“ – Wirtschaftsethik genauer zu bestimmen.

Der Vortrag will dies zeigen. Luthers Schrift soll „von hinten“ gelesen werden – d.h. in Umkehrung ihrer Entstehungsgeschichte. Besondere Aufmerksamkeit wird der von Luther selbst seiner Schrift vorangesetzte, geradezu existenzialistische, neuen Einleitung gewidmet.

In der gewählten Perspektive könnte sie dann durchaus als Präludium „jeder“ evangelischen Ethik gelesen werden. Die Moderne ist die Epoche, die dem Individuum alles zutraut. Wirklich alles: alles Gute, wie alles Böse. Luther gehört zu den Ersten, die diese „unerlöste“ Spannung von gleichzeitiger Überschätzung und Unterforderung des modernen Subjekts seelsorgerlich bedenkt und begleitet.


im Dezember 2017 hielt Prof. Dr. theol. Michael Basse den Vortrag:                

Die Reformation in Bochum und in der Grafschaft Mark 

im Vorfeld erschien dazu ein Artikel der WAZ:

WAZ-Witten-31.10.2017[13]


im November hielt Prof. Dr. Günter Brakelmann seinen Vortrag

„Das Reformationsjubiläum 1933 – Luther und seine Deutschen“

Prof. Brakelmann, Theologe und Historiker mit dem Forschungsschwerpunkt „Kirche und Soziale Frage“ wird die Ereignisse um das Reformationsjubiläum 1933 anhand seines umfangreichen Quellenmaterials rekonstruieren und darstellen. In kirchlichen Zeitschriften und Broschüren war das große Thema des Jahres 1933: „Hitler und Luther“.

Luther stand für die Reformation gegen die Machtansprüche des römischen Katholizismus. Hitler stand mit seiner „nationalen Revolution“ gegen jeden Internationalismus und für einen starken autoritären Nationalstaat gegen den demokratischen Staat.

Hitler hat weit über die NSDAP hinaus Anhänger für seine antiaufklärerischen, antiliberalen und antidemokratischen Ideologie und Politik gefunden. Besonders in kirchlichen Kreisen und im Milieuprotestantismus, der damals die Mehrheit der Deutschen umfasste, war die Zustimmung zu ihm weit verbreitet.

im September hielt Prof. Dr. Werner Freitag den Vortrag:

„Die Reformation in Westfalen: regionale Vielfalt, Bekenntniskonflikt und Koexistenz“. 

Westfalens Landkarte des 16. Jahrhunderts zeigt sich als Flickenteppich. In kleineren und größeren Territorien, aber nur in einer Reichsstadt (Dortmund), in kleineren und größeren Adelsherrschaften ging es darum, die Reformation einzuführen bzw. zu verhindern.

Werner Freitag, Landeshistoriker an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, unternimmt es in seinem Vortrag, die verschiedenen Verläufe der Reformation darzustellen und typologisch zu bündeln. Es gab städtische, landesherrliche, bischöfliche, sodann auf das Territorium bezogene ständische sowie „Adels- und Pfarrerreformationen“.

Der Blick des Vortrags richtet sich nicht nur auf die zentralen Ereignisse und Verlaufsformen der Reformation, sondern es wird auch der Alltag in den Pfarreien um 1550 untersucht: Wurden das neue Bekenntnis (in Westfalen war es das Martin Luthers) und die neue Liturgie (Luthers Deutsche Messe) tatsächlich eingeführt? Kam es zu einer von der Papst- und Bischofskirche klar geschiedenen neuen Kirchenorganisation? Erstaunliches kommt zutage: der unvollkommene Verwaltungsaufbau, die Existenz liturgischer Mischformen, die Kontinuität der Pfründen, aber auch das „Einsickern“ der neuen Lieder in formal katholisch gebliebenen Regionen Westfalens, wie etwa im Münsterland.