Amtshaus Herbede
Witten Herbede, ehemaliges Amtshaus der Amtsgemeinde Herbede, Baujahr 1914

Denkmalliste Stadt Witten, A-111, eingetragen 1986

Zwischen 1886 und 1921 gehörte Herbede noch zum Kreis Hattingen. Ab 1914 wurden in diesem repräsentativen eigenen Amtshaus vor Ort die kommunalen Aufgaben geregelt. Für die zuständigen Beamten gab es nebenan ein eigenes Wohnhaus. In den 1920er Jahren gelangte das Amt Herbede zum Ennepe-Ruhr-Kreis, erhielt 1951 eigene Stadtrechte und wurde 1975 in die Stadt Witten eingemeindet. Heute dient der Gebäudekomplex in einer Neunutzung als Facharztzentrum unterschiedlichen Arztpraxen.

Konzipiert als Amts- bzw. Rathaus und als solches bis 1975 genutzt, wurde das zweigeschossige Verwaltungsgebäude repräsentativ gestaltet. Es erhielt ein hohes Bruchstein-Sockelgeschoss, zwei verputzte Geschosse und ein ausgebautes Dachgeschoss mit sieben schmalen Dachgauben sowie Fledermausgauben, die heute nicht mehr vorhanden sind. Die horizontale Fasadengliederung wird durch das Sockelgeschoss und das Gesims zwischen den Geschossen erreicht.

Die Betonung der Mittelachse beginnt an der breiten Steintreppe mit abgedeckten Wangen und führt den Blick zu einem Portal mit Doppelflügeltür. Darüber folgt der Schriftzug „Rathaus“, dann ein Halbrundfenster mit Vergitterung, der Balkon und ein Türmchen mit Glockendach und Uhr.
Hinter dem Balkon und der dazugehörenden dreigliederigen Tür-Fenster-Kombination lagen früher der Ratssaal und das Büro des Bürgermeisters. Die Dacheindeckung war in Schiefer ausgeführt worden.

An der rechten Hausseite schließt sich ein Verbindungsbau mit geschwungenem Mansarddach und zwei Arkadbögen als Übergang zum Beamtenwohnhaus an, dessen Eingangstür dem Original entspricht. Auch das zweigeschossige Beamtenwohnhaus ist horizontal gegliedert mit Bruchsteinsockel, zwei verputzten Geschossen und trägt ein schiefergedecktes Walmdach mit Gauben. Die straßenseitige Hausecke ist durch einen abgekannteten Erker und die Fenster im Erdgeschoss durch Fensterläden betont.

Die Erhaltung einzelner originaler Elemente und die Beibehaltung des architektonischen Gesamteindrucks – zumindest in der Frontansicht – unterstreichen das erhaltenswerte Ensemble. Es steht für die administrative Entwicklung des 19. Jahrhunderts vor dem Hintergrund eines starken Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstums sowie dem Wunsch nach kommunaler Selbstverwaltung.

Irene Rumpler