Aktuelle Projekte, Witten-Bommern, Baujahr 1714
Denkmalliste Stadt Witten, A-163, eingetragen 1988

Bereits vor 1714 stand hier ein kleineres Gebäude, allerdings quer zu dem gegenwärtigen. In der heutigen Form entstand das Gebäude als 2-geschossiges Fachwerkhaus mit Knickstreben sowie Andreaskreuzen zur Stabilisierung der Gefache im frühen 18. Jahrhundert. Heute sind die Giebel vollständig bzw. in der Spitze verbrettert, der nordwestliche Giebel hat eine Ladeluke.

Die zur Straße gewandte Tür ist horizontal geteilt, d. h. es handelt sich hier um eine sogenannte „Prölkestür“, die man im oberen Teil öffnen konnte ohne gleichzeitig einen ungehinderten Zugang in das Gebäude zu ermöglichen. Oftmals fand hier ein „Prölken“, also ein „Schwätzchen“, ein kurzes Gespräch statt. Darüber zeigt sich ein geschnitztes Schmuckfeld, in dem bruchstückhaft die Erbauer des Hauses lesbar sind, die Eheleute Anna Catarina Münstermann und Heinrich Wilhelm Voeste. Zudem sind Handwerkssymbole einer Schreinerei erkennbar, nämlich Knüpfel, Zirkel, Hobel, Winkel und Ziehklinge.

Zur linken Seite des Gebäudes befindet sich ein niedriger Stallanbau aus dem 19. Jh. in Sandstein. Rückwärtig ist dieser in Fachwerk ausgeführt. Zwischen 1978 und 2002 wurde dieser Teil des Ensembles als Keramikwerkstatt und Kunstgalerie genutzt und als sogenannter „Fachwerkhof“ benannt.

Seit 2017 wird hier restauriert: Die Südwest- und Südseite des Hauptgebäudes sind bereits in Lehmziegeltechnik erneuert.

Das Gebäude dokumentiert gemeinsam mit den umliegenden Fachwerkhäusern die städtebaulich-historische Entwicklung Bommerns in ihrem landwirtschaftlichen Ursprung außerhalb des alten Ortskerns. Als ehemalige Schreinerei ist es zudem ein singuläres Beispiel eines Handwerkerhofes des 18. Jahrhunderts.

Dieter Schidt