Haarmannstempel
Witten Hohenstein, Aussichtspavillon im Stadtpark Hohenstein, Baujahr 1916
Denkmalliste Stadt Witten, A-101, eingetragen 1985

Das Stadtparlament von Witten wollte um 1890 die Idee eines Volksparks zur Naherholung der Bevölkerung verwirklichen. Bürgermeister Haarmann kaufte dazu das aus vielen Einzelparzellen bestehende Areal „Hohenstein“. Neben Wegen, Baumgruppen und Rasenflächen sollte es auch architektonische Elemente geben.
Geplant und gebaut wurde ein Aussichts- und Orientierungspunkt in Form eines achteckigen antikisierenden Tempelchens in sogenannter toskanischer Ordnung als Erinnerung an den 1911 verstorbenen Oberbürgermeister Haarmann.

Acht Säulen stehen auf einem vierstufigen Planum, haben einen Durchmesser von 0,46 m und verjüngen sich nach oben leicht. Die für den Stil übliche Basis fehlt und der typische Halsring als Abschluss des Säulenschafts ist nur sehr schwach ausgebildet. Architrav, Fries und Gesims sind gut proportioniert, aber ohne Schmuck. Die Decke ist von der Dachkonstruktion abgehängt. Die lichte Höhe des Pavillons beträgt 3,50 m; die Gesamthöhe bis zur Spitze des barockisierenden Schweifdachs ist 7,80 m. Das Gebäude hat Zementputz; Planum und Stufen sind aus Ruhrsandstein.
In der Mitte des Tempelchens steht eine kannelierte tischhohe Säule aus Muschelkalk, die wahrscheinlich einmal eine Orientierungstafel trug. Das geschweifte, stilfremde Dach, ursprünglich verschiefert, ist heute mit bekiester Dachfolie gedeckt. Auf seiner Spitze sitzt eine Kugel.
Als Teil der Staffagearchitektur des Stadtparks Hohenstein bietet der Haarmannstempel durch seine Lage Besucherinnen und Besuchern eine gute Orientierungshilfe, Unterstellmöglichkeit und Aussicht. Er ist eines der wenigen Wittener Beispiele für Gartenarchitektur.
Seit seiner Einweihung 1916 ist der Pavillon als „Haarmannstempel“ in Witten ein Begriff.
Gerhard Hennemann

Anmerkung: Im Inneren die Säule aus Muschelkalk.