Helenenturm mit Wärterhaus, Witten,
Helenenbergweg 22, Aussichtsturm, Baujahr 1858/59
Denkmalliste Stadt Witten, A-100, eingetragen 1985

Der Helenenturm repräsentiert eine Verbindung von bürgerlichem Selbstbewusstsein, juristischem Triumph und persönlicher Trauer in einem eindrucksvollen architektonischen Ensemble. Der Turm steht auch für gesellschaftliche Stellung und den beruflichen Erfolg Eduard Strohns.
Helene Strohn, seine Ehefrau, war eine Tochter aus der Industriellenfamilie Lohmann und verstarb bei der Geburt ihres achten Kindes. Ihr Ehemann Eduard Strohn, ein angesehener Jurist und Experte für Bergrecht, ließ zu ihrem Gedenken den Helenenturm samt zugehörigem Wärterhaus errichten.
Der Bau des Turms hat eine interessante Vorgeschichte: Eduard Strohn vertrat die Erben seines Schwiegervaters Friedrich Lohmann in einem ambitionierten Rechtsstreit gegen den Staat Preußen um die willkürliche Senkung der Fährentgelte der Ruhrfähre. Nach dem erfolgreichen Ausgang wurden die daraus resultierende Rückzahlung an die Familie Lohmann sowie Strohns Honorar für den Bau des Turms verwendet. Zusätzlich schenkten die Erben Lohmanns Strohn das Grundstück, auf dem der Turm heute steht.
Erbaut wurde der Turm in den Jahren 1858/59 von dem Wittener Architekten Christian Foerst und zeichnet sich durch folgende Merkmale aus:
- Gotisierender Stil aus Ruhrsandstein
- Zylindrischer Turmschaft mit Zinnenkranz und -schmalem Gurtgesim
- Aufgesetzter Tambour mit Zinnenkranz
- Spitzbogige Fenster im Unterbau
- Rundbogiger Eingang am Fuß des Turms

Das etwas später erbaute Wärterhaus hat einen stark gegliederten Baukörper mit einem Risalit mit Schmuckbekrönung und Rundfenster im Giebel. Besondere architektonische Elemente sind der Portikus mit Schmucksäulen und Rundbogen, der Balkon mit Balustrade und die Rundbogenfenster sowie der Dachreiter.
Das Gesamtensemble ist ein bemerkenswertes Beispiel bürgerlicher Selbstdarstellung des 19. Jahrhunderts. Die gelungene Restaurierung des Turms ist u. a. dem unermütlichen Einsatz von Wolfgang Lippert für dieses Herzensprojekt zu danken.
Peter Schüler