Villa Schneider
Witten-Bommern, Baujahr 1902
Denkmalliste Stadt Witten, A-46, eingetragen 1984

Die Villa ist bedeutend für die örtliche Siedlungsgeschichte und Hausforschung, insbesondere als Beispiel für den Villenbau des Historismus um die Jahrhundertwende.
Das Gebäude wurde 1902 von der Familie Schneider ursprünglich außerhalb des Bommeraner Ortskerns auf der „Bommeregge“ in einem parkartigen und landwirtschaftlichen Umfeld errichtet, ist aber heute von Wohngebäuden umgeben. Die frühere Allee und die Rundbogen-Einfahrt sind nicht mehr vorhanden. Die Villa zeichnet sich als repräsentativer Wohnsitz durch ihre ehemalige Solitärstellung, die palastartige Wirkung in Anlehnung an den englischen Landhausstil aus.
Das zweigeschossige Villengebäude, erbaut im historisierenden Landhausstil der Jahrhundertwende durch den Architekten Brenscheidt ist in Sandstein ausgeführt. Es weist in den einzelnen Bauteilen verschiedene Dachformen auf: Satteldach, Walmdach und Krüppelwalmdach, an einer Stelle durch eine Firstbekrönung und an einigen Traufseiten mit Konsolen verziert. Die Ziegeldächer sind das Ergebnis einer neueren Renovierung.

Der Baukörper ist differenziert gestaltet: mit einem aufwändigen Haupteingang an der Südfront und einer Haustür-Auslucht auf der Nordseite. Der Haupteingang besteht aus einer einläufigen Freitreppe mit abgetreppter Brüstung, einem Pfeiler-Portikus und einer Stein-Ballustrade, die den Treppenabsatz umgibt. Von dort führen eine zweiflügelige Kassetten-Haustür mit stilisiertem Fenstergitter ins Haupthaus und eine einflügelige Tür mit Jugendstil-Elementen aus Holz mit Eisendekor in einen Anbau. Dieser Bauteil, ehemals Nutzgebäude, heute Wohnhaus, zeigt das zur Fensterfront umgestaltete Remisentor.
Auf der Gebäuderückseite Richtung Norden eine breite Auslucht mit einer zweiflügeligen Haustür als Nebeneingang. Diese weist Schnitzwerk und Fenstergitter im Jugendstil auf. Darüber liegt ein altanartiger Balkon mit dekorierter hölzerner Brüstung und einem auffälligen Holz-Stützpfeiler auf einem Sandstein-Sockel, ebenfalls im Stil der Jahrhundertwende.
Die Westfassade, von einem Zwerchdach gekrönt, tritt im Obergeschoss risalitartig hervor und hat verschiedenartige Fenster, zum Teil mit bogenförmigen Oberlichtern. Im oberen Teil des Giebels ist ein florales Dekorelement aus Metall aufgelegt.
Dieter Schidt